Nicht zwingend tropisch und selten


Edelholz ist kein Versprechen aus fernen Ländern.
Kein klangvoller Name, kein Zertifikat, kein Preisetikett.
Edelholz ist für mich das Ergebnis von Zeit.
Es sind jene Hölzer, die sich dem Erwartbaren entzogen haben.
Die nicht gerade wachsen wollten.
Die Wind ertragen mussten, wo andere Schutz fanden.
Die Sonne, Salz, Frost und Wasser nicht nur überlebt,
sondern in sich aufgenommen haben.
Gedrückt.
Verdreht.
Aufgerissen.
Gezeichnet.
Und genau darin liegt ihre Würde.
Diese Hölzer tragen keine Makel –
sie tragen Erinnerungen.
Narben von Steinen.
Spuren von Erde und Schlamm.
Zeichen von Jahren, die niemand gezählt hat.
Meine Definition von Edelholz ist schlicht
und doch unumstößlich:
Wenn mir ein Stück Holz begegnet,
wenn es zwischen all dem Gewöhnlichen hervortritt,
wenn ich es von Schlamm, Erde und Steinen befreie
und es danach mehr sagt als zuvor –
dann ist es Edelholz.
Nicht, weil es selten ist.
Sondern weil es Haltung besitzt.
Normales Holz erfüllt Funktionen.
Es ordnet sich unter.
Es wird vermessen, begradigt, angepasst.
Es verschwindet in Schubladen, Korpussen, Konstruktionen.
Es ist richtig –
aber es ist still.
Ich suche das Gegenteil.
Mich ziehen jene Stücke an,
die sich nicht zähmen lassen.
Die zu viel Kurve haben.
Zu viel Spannung.
Zu viel Geschichte.
Hölzer, die nicht darauf warten, etwas zu werden,
sondern längst etwas sind.
Meine Arbeit beginnt nicht mit einer Idee,
sondern mit Respekt.
Mit dem Freilegen statt dem Verformen.
Mit dem Versuch, nicht zu dominieren,
sondern zu verstehen.
Ich nehme nichts hinzu,
was nicht bleiben darf.
Ich nehme nichts weg,
was erzählt.
Edelholz ist für mich kein Werkstoff.
Es ist ein Dialog zwischen Natur und Handwerk.
Zwischen dem, was war,
und dem, was bleiben darf.
Und jedes Stück, das daraus entsteht,
trägt genau das in sich:
Zeit statt Tempo.
Eigenart statt Perfektion.
Tiefe statt Oberfläche.
Besonderes lässt sich nicht herstellen.
Es lässt sich nur erkennen –
und mit Hingabe bewahren.